Historische Enduromotorräder, grosse Namen aus der Vergangenheit und echter internationaler Wettbewerb: Die FIM Enduro Vintage Trophy hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem der bedeutendsten Treffpunkte der internationalen Vintage-Enduro-Szene entwickelt. Die Schweiz ist seit der Verselbständigung des Wettbewerbs im Jahr 2021 regelmässig vertreten – mit Trophy-Teams, Vase- und Club-Mannschaften sowie Einzelstartern.
Von den Six Days zur eigenständigen Vintage Trophy
Mit dem wachsenden Interesse an Wettbewerben für historische Enduromotorräder schuf die FIM 2016 die Enduro Vintage Trophy. Von 2016 bis 2019 wurde sie zunächst im Rahmen der International Six Days of Enduro, der ISDE, ausgetragen. Das Grundprinzip orientierte sich an den klassischen Six Days: Nationenteams, Clubmannschaften und Einzelstarter traten mit historischen Enduromotorrädern gegeneinander an. Die Vintage-Fahrer bestritten dabei die letzten drei Tage der ISDE. Mit zunehmender Teilnehmerzahl stiess dieses Modell jedoch an seine Grenzen. Zu den rund 600 modernen ISDE-Fahrern kamen immer mehr Vintage-Piloten hinzu. Deshalb entschied die FIM, die Enduro Vintage Trophy ab 2021 als eigenständige Veranstaltung durchzuführen.
Damit erhielt die historische Enduro-Szene ihr eigenes internationales Grossereignis.
2021 – Elba: Ein historischer Neubeginn
Die erste eigenständige FIM Enduro Vintage Trophy führte 2021 auf die italienische Insel Elba – genau 40 Jahre nach den legendären International Six Days Trial von 1981. Mit dem Parc Fermé im Zentrum von Portoferraio, dem Fahrerlager direkt am Hafen und mehr als 400 Teilnehmern bot die Veranstaltung eine eindrucksvolle Kulisse. Auch die Schweiz war mit einer grossen Delegation vertreten. Insgesamt standen acht Schweizer Fahrer am Start.
Das Schweizer Trophy-Team bestand aus: Dany Wirz – Roland Huguelet – Philippe Rast
Daneben waren weitere Schweizer Fahrer in der Vase-Wertung und als Einzelstarter vertreten, darunter Paolo Di Mauro, André Tharin, Walter Frei, Hans Peter Moser und Christophe Bernard.
Sportlich gelang dem Trophy-Team ein hervorragender Einstand: Dany Wirz, Roland Huguelet und Philippe Rast belegten Rang 4 in der Nationenwertung. Den Sieg holte Frankreich, angeführt unter anderem von Enduro- und Dakar-Legende Stéphane Peterhansel. Bemerkenswert war zudem der historische Bezug: Mehrere Schweizer Teilnehmer waren bereits 1981 bei den Six Days auf Elba am Start gewesen.
2022 – Santiago do Cacém: Schweizer Präsenz im kleineren Rahmen
2022 führte die FIM Enduro Vintage Trophy nach Santiago do Cacém, rund 150 Kilometer südlich von Lissabon. Die Region mit ihren sandigen Wegen und ausgedehnten Pinienwäldern bot nahezu ideale Bedingungen für historische Enduromotorräder. Der örtliche Club verfügte bereits über grosse Erfahrung mit internationalen Enduroveranstaltungen. Die Schweizer Beteiligung fiel in diesem Jahr deutlich kleiner aus. Paolo Di Mauro vertrat die Schweizer Farben und setzte damit die kontinuierliche Schweizer Präsenz bei der noch jungen eigenständigen Vintage Trophy fort. International gewann Italien die Trophy-Wertung. Deutschland wurde Zweiter, Gastgeber Portugal Dritter. Für Aufsehen sorgte zudem der Amerikaner Fred Hoess, der die Einzelwertung gewann. Damit zeigte sich bereits, dass die Veranstaltung zunehmend über Europa hinaus internationale Strahlkraft entwickelte.
2023 – La Cerdanya: Zwei Schweizer Teams
2023 führte die FIM Enduro Vintage Trophy in die spanischen Pyrenäen nach La Cerdanya/Puigcerdà. Die Schweiz war mit sechs Fahrern in zwei Mannschaften vertreten.
Swiss Trophy Team: Paolo Di Mauro – Roland Huguelet – Philippe Rast
Das Schweizer Nationenteam belegte in der Trophy-Wertung Rang 8. Paolo Di Mauro klassierte sich zudem auf einem starken 6. Rang seiner Kategorie.
Swiss Vintage Club Team: Rolf Enz – Christophe Bernard – Frédéric Rivalan
Auch im Club-Wettbewerb war damit eine komplette Schweizer Mannschaft vertreten. Rolf Enz erreichte in seiner Kategorie den 4. Gesamtrang und verpasste damit das Podest nur knapp. Die Ausgabe 2023 bestätigte damit die breite Schweizer Präsenz sowohl in der Nationen- als auch in der Clubwertung.
2024 – Camerino: Rang 6 für die Schweiz
2024 kehrte die FIM Enduro Vintage Trophy nach Italien zurück. Austragungsort war Camerino in den Marken. Mehr als 400 Fahrer aus zahlreichen Nationen nahmen teil – ein weiterer Beleg für das kontinuierliche Wachstum der Veranstaltung.
Für die Schweiz gingen in der Trophy-Wertung an den Start: Dany Wirz – Roland Huguelet – Christophe Bernard
Die Schweizer Mannschaft zeigte über die vier Tage eine konstante Leistung und belegte am Ende Rang 6 in der Vintage Veterans Trophy. Den Sieg holte erneut Italien vor Frankreich und Tschechien. Eine besondere Attraktion war wiederum Stéphane Peterhansel, der auch auf historischem Material seine aussergewöhnliche Klasse unter Beweis stellte.
2025 – Kielce: Schweiz nur knapp am Podest vorbei
2025 wurde die FIM Enduro Vintage Trophy erstmals im polnischen Kielce ausgetragen.
Für die Schweiz bildeten Roland Huguelet – Arthur Welti – Christophe Bernard das Swiss Enduro Trophy Team.
Das Trio zeigte eine starke und ausgeglichene Leistung über alle vier Wettkampftage. Mit dem 4. Rang in der Trophy-Wertung verpasste die Schweiz das Podest nur knapp und erreichte damit eines ihrer besten Resultate seit Einführung der eigenständigen Enduro Vintage Trophy. Deutschland gewann erstmals die Mannschaftswertung vor Frankreich und Polen.
2026 – Zschopau: Rekordfeld und zwei Schweizer Teams
Die nächste Ausgabe findet vom 30. September bis 3. Oktober 2026 in Zschopau statt – einem der traditionsreichsten Orte des deutschen Endurosports. Zschopau ist eng mit der Geschichte von MZ verbunden. Die Motorräder aus dem ehemaligen Motorradwerk Zschopau gehörten insbesondere in den 1960er- und 1970er-Jahren zu den erfolgreichsten Enduromaschinen der Welt. Für 2026 werden rund 420 Fahrer erwartet. Mit 18 Nationen in der Trophy-Wertung erreicht die Veranstaltung einen neuen Rekord. Besonders die stärkere Beteiligung aus Skandinavien mit Schweden, Norwegen und Finnland unterstreicht die zunehmende Internationalisierung.
Swiss Moto wird mit zwei Teams vertreten sein.
Swiss Trophy Team: Dany Wirz – Roland Huguelet – Christophe Bernard
Swiss Vase Team: Arthur Welti – Peter Hager – Philippe Rast
Damit stehen erneut sechs Schweizer Fahrer am Start. Nach den starken Nationenresultaten der vergangenen Jahre – insbesondere Rang 4 auf Elba 2021, Rang 6 in Camerino 2024 und Rang 4 in Kielce 2025 – darf man gespannt sein, wie sich die Schweizer Mannschaften auf dem traditionsreichen Terrain von Zschopau schlagen werden.
Viel mehr als ein Rennen
Die FIM Enduro Vintage Trophy hat sich von einer historischen Ergänzung der Six Days zu einem eigenständigen internationalen Grossanlass entwickelt.
Husqvarna, Maico, Puch, Fantic, Jawa, Simson, MZ, KTM und zahlreiche weitere legendäre Marken verwandeln die Parc Fermés jedes Jahr in ein rollendes Museum der Endurogeschichte – allerdings ein Museum, in dem die Maschinen weiterhin genau dafür eingesetzt werden, wofür sie einst gebaut wurden. Gleichzeitig treffen ehemalige Weltklassefahrer auf passionierte Amateur- und Vintage-Piloten. Namen wie Stéphane Peterhansel, Giorgio Grasso, Tullio Pellegrinelli, Uwe Weber, Fred Hoess oder Dusan Kotrla unterstreichen das sportliche Niveau und die historische Bedeutung der Veranstaltung.
Auch die Schweizer Geschichte ist inzwischen ein fester Bestandteil dieser Entwicklung. Seit 2021 haben zahlreiche Schweizer Fahrer die Farben der damaligen FMS und heutigen Swiss Moto vertreten – in Trophy-, Vase- und Clubmannschaften sowie als Einzelstarter. Was sie verbindet, ist die Leidenschaft für Endurosport und historische Motorräder – und der Wille, diese Maschinen nicht nur auszustellen, sondern weiterhin dort zu bewegen, wo sie hingehören: im Gelände und im Wettbewerb.